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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : grosse Firmen sind immer mehr angewiesen auf freie Erfinder.



Freigeist
11.01.2008, 17:58
Immer mehr Firmen gehen den Weg der offenen Innovation. Kennt sich jemand aus mit dieser Thematik?

Ich habe zu diesem Thema eine interessante Homepage gefunden:
Auf Open Innovation GmbH - Home (http://www.openinnovation.ch) schreiben renommierte Firmen Innovationsprojekte aus. Zum Beispiel Google sucht zum Thema "Einsatz von OpenSocial" Leute, die da mitarbeiten.

So wie es aussieht kann hier jedermann mitmachen..

Gruss
Freigeist

Rainer
11.01.2008, 19:21
Auskennen tue ich mich damit nicht, denn die Anreize fehlen mir, mich an solchen Projekten zu beteiligen. Ich glaube Anfang letzten Jahres hat sich hier eine Dame gemeldet, die auch eine ähnliche Community in Deutschland aufbauen wollte, ob es geklappt hat weiß ich jetzt nicht, vielleicht hat hier noch jemand den Link zum Thema. Locken konnte man mich auch damals dafür leider nicht weil keine Anreize vorhanden waren, da mit zu machen. Ich bin gerne bereit mein Innovations Potenzial anderen zur Verfügung zu stellen, denn für alles gibt es Lösungen ;) Nur der Anreiz meine Zeit dafür aufbringen zu wollen muss schon vorhanden sein. 40.000 CHF auf mehrere Gruppen und dann noch auf die jeweiligen Teilnehmer der einzelnen Gruppe verteilt ist für mich kein Anreiz, obwohl ich bei den ersten 4 Aufgabenstellungen ( http://www.openinnovation.ch/site_media/oiwebsite/docs/oi_projects.pdf ) sicher einige interessante Ideen hätte ;) Auf Geheimniskrämerei steht ich diesbezüglich auch nicht ;) Es muss alles transparent und nachvollziehbar sein, dann werden auch andere da ganz sicher mitmischen wollen ;)

VARAGE
13.01.2008, 13:29
auch hier empfielt es sich, die agb's durchzulesen, dann erledigt sich die sache von selbst.

Rainer
13.01.2008, 14:20
Aus meiner Sicht sind Erfinder besondere Menschen, die man wertschätzen sollte, denn sie sind besondere „Player“! Große Unternehmen lassen sich ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen Millionen pro Jahr kosten, weil sie Wissen das diese Ausgaben relativ schnell wieder, mit dem richtigen Produkt bzw. der richtigen Innovation, eingefahren werden. Erfinder sollte man also nicht wie zweitklassige Hilfsarbeiter behandeln! Konzerne brauchen die Innovations Kraft dieser Menschen, ohne sie würden wir noch trommeln um Nachrichten zu entlegene Orte zu transportieren. Die Ausgaben um für sie und deren Leistungen zu werben, zeigt die Wertschätzung zu deren Leistungen und Arbeit aber auch die zukünftigen Erwartungen. Einige schätzen die Arbeit von Erfindern und lassen es sich einiges kosten um sie zu bekommen, andere wiederum nicht, sie sind wohl halbherzig oder nur Ignoranten die früher oder später auf der Strecke bleiben weil sie dem Markt einfach nur hinterher hecheln.

Bei vielen Unternehmen kommt auch im laufe der Zeit eine Art „Betriebsblindheit“ auf. Menschen die für neue Innovationen zuständig sind „powern“ aus, weil das Themengebiet zu eng bemessen ist oder ihre Kreativität durch „Besserwisser“ eingeschränkt wird. Sie fangen an zu blockieren, Entwicklungen werden weit nach hinten verschoben, Probleme häufen sich auf oder werden ignoriert. Vielleicht wäre es im Innovationsmanagement nicht schlecht, wenn man Mitarbeiter im Innovationsmarkt in den einzelnen Branchen alle paar Jahre austauscht. Also Firma A tauscht Ihre Leute der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen gegen die von Firma B für ein oder zwei Jahre. Dann kommen immer wieder neue Bereiche ins Spiel, die immer neue Herausforderungen suchen. Man rostet nicht ein und die Welt erfreut sich wachsenden neuen Ideen die das Leben einfacher machen oder auch nicht ;)

Wertschätzung (!) ist das Zauberwort! Ich kenne ein Unternehmen sehr gut, das hat vor ein paar Jahren eine Art „Innovations Offensive“ ausgerufen oder das, was SIE darunter verstehen. Natürlich wollte dieses Unternehmen dafür nichts bezahlen und ich meine wirklich nichts! Wie diese „Offensive“ dann endete brauche ich wohl niemanden zu erzählen, es kam so gut wie nichts und das was ankam interessierte niemanden oder war einfach nur Schrott. Kurz danach hat dieses Unternehmen eine Unternehmensberatung angeheuert, dreistellige tausende Euros wurden dafür ausgegeben aber gebracht hat es nichts, Potenzial so gut wie komplett ausgereizt. Heute kratzt dieses Unternehmen an der Insolvenskante, hat einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand weil die Produktivität unmenschlich nach oben geschraubt wurde obwohl in diesem Unternehmen teilweise „High-Potentials“ und so genannte „B-Players“ beschäftigt sind, die aber werden schlicht aus Ego-Gründen ignoriert, weil man Angst um seinen eigenen warmen und gemütlichen Sessel hat ;)

Die einzige Lösung der Geschäftsführung bestand dann darin, sich „innovativ“ auszudenken, wie man ans Geld der Mitarbeiter kommt um zumindest eine schwarze null schreiben zu können oder ein klein wenig Plus! Damit hat man nun aber die Mitarbeiter dermaßen demotiviert, das der Laden, neben einen enorm hohen Krankenstand, fast zum stehen gekommen ist. Jeder kommt nur noch weil er eben muss ( kündigen würde in der momentanen Arbeitsmarkt Situation nur zu noch mehr Einkommensverlusten führen ) und macht seinen Job so gut oder schlecht es gerade geht. Von einer Unternehmensidentifikation sind die meisten schon seit Jahren Lichtjahre entfernt, nicht nur deshalb, weil die Geschäftsführer da wechseln wie andere ihre Unterhosen sondern auch, weil es seit Jahren an (Aufstiegs)Perspektiven fehlt. Nun wird die Firma verkauft, vermutlich an einen dummen, der garnicht weiss was auf ihn zukommt!

Nun bin ich etwas vom Thema abgekommen, wer es aber bis zur Insolvensgrenze noch nicht gerafft hat, das es eben Branchen gibt, wo das hinterherlaufen des Marktes langfristig nur zum „dumpen“ im Personalbereich oder in den Konkurs führt, der hat es anders auch nicht verdient. Mit einen ordentlichen Innovationsmanagement und Wertschätzung der Mitarbeiter für ihre Leistung wäre das nicht passiert denn Mitarbeiter sind die, die aus einem Unternehmen das machen was es ist – im positiven wie im negativen ;) Man kann den Innovationszwang am global agierenden Markt auch ignorieren, das ist dann aber so, als wenn man im Winter bei Minus 10 Grad mit der Badehose spazieren geht, der Schock kommt dann relativ schnell das man irgendwie falsch liegt ;)

VARAGE
13.01.2008, 16:43
dass erfinder besondere menschen sind, mag sein, da will und kann ich nicht wiedersprechen.
dass mit erfindern nicht immer so umgesprungen wird, wie es der erfinder gerne hätte, ist fact.

wie werden in grossen firmen innovationen generiert? das ist eine frage die man sich stellen muss.

da wir in einem land leben, das alles reguliert, ist auch die vorgehensweise für innovationen reguliert. man hat die sache in ein schema gepresst. dieses schema ist wie alles andere auch hierarchisch aufgebaut.

da gibts dann eine vorausentwicklungsabteilung, die wie der name schon sagt, vorausentwickeln soll.
diese abteilung muss, immer schön im schema bleiben, geführt oder geleitet werden. das macht dann der abteilungsleiter. der ist das nicht geworden weil ihm besonders viel eingefallen ist sondern meisst deshalb, weil er führungsqualitäten hat oder eben glaubhaft gemacht hat, dass er der richtige ist. gekungelt wird überall.

in der vorausentwicklungsabteilung arbeiten, so sollte man annehmen, die kreativen leute, abgelöst vom täglichen alltag. sie sollen ja vorausentwickeln.

wer kommt in eine solche abteilung? wer beurteilt die mitarbeiter für eine solche abteilung? wer entscheidet nach welchen kriterien, ob ein mitarbeiter geeignet ist?
der personalchef? wohl kaum.

diese mitarbeiter sucht sich der abteilungsleiter nach seinen subjektiven kriterien heraus, macht einen vorschlag bei seinem personalchef und dann bekommt er ihn oder er bekommt ihn nicht.
das heisst, je nach ehrgeiz und vernetzung des abteilungsleiters ist so eine abteilung schlagkräftig oder auch nicht.

die aufgabenstellungen werden meisst von der geschäftsleitung definiert und zur abarbeitung an diese innovationsabteilung weitergegeben.

das sieht dann so aus: was haben wir, was wollen wir, wie kommen wir zu einem ergebnis.

die abteilung beginnt zu wurschteln, sie generiert ergebnisse.
diese ergebnisse werden nach oben berichtet und von dort an die fachabteilungen zur bewertung auf die durchführbarkeit weitergeleitet.

ab jetzt liegt alles in gottes hand, jetzt darf jeder mitreden, darf seine bedenken äussern.

irgendwann kommt die bewertung wieder oben an als entscheidungshilfe für das management.

ist das management innovativ eingestellt, hat dann die arbeit früchte getragen.
ist das nicht der fall, verkommt die vorausentwicklung zur sogenannten phantastenabteilung.
man leistet sich das aber brauchen tut man die abteilung nicht wirklich.

die "innovationen" werden dann in den fachabteilungen generiert. das sind dann allenfalls verbesserungen oder änderungen der bestehenden produkte.

in diesem moment ist eine firma von ihrer innovationskraft her gesehen einfach tot. da wird das bestehende nur noch verwaltet und ertragsoptimiert.

analysiert man die innovationen der letzten 15 jahre nur alleine an den themen der schutzrechtsanmeldungen unserer industrie, sieht man sehr schnell, dass viele hersteller hinter irgend einem trendsetter herhecheln um sich auch einen anteil an dem kuchen zu sichern.
wirklich neue innovationen werden nicht mehr generiert, das hat seine ursache in der globalen finanzwelt.
es ist einfach billiger, an den symthomen zu kurieren als an der ursache anzusetzen.

erfinden hat viel mit querdenken zu tun. das setzt die fähigkeit voraus, bekannte wege zu verlassen, bekanntes infrage zu stellen, einfach neues zu suchen.
menschen die dies können, sind den anderen einfach suspekt, sie passen nicht in das schema hinein, lassen sich nicht in eine durchführungsschablone pressen.
sie sind einfach unbequem weil unbeherrschbar.

unbequeme querdenker bringen unruhe ins system und werden einfach ruhiggestellt.

da dies eine ganz normale reaktion ist, ist es auch überall gleich in der auswirkung und für jeden nachvollziehbar.

auf diesem wissen aufbauend, gibt es dann bestrebungen, diese querdenker für sich nutzbringend einzusetzen.

das hat zur folge, dass dann firmen gegründet werden, die ideen abgreifen, grossflächig sammeln und daraus neue innovationen generieren, die dann verkauft werden.

bei dem vorliegenden modell sieht es dann so aus, dass grossflächiges ideensammeln zum nulltarif betrieben wird. die motivation wird mit einer prämie angestachelt, wobei das verteilen der prämie subjektiv geschieht.
rechte an erfindungen sind für den erfinder nicht generierbar, er verkauft sie mit der annahme der prämie.

ob dieses geschäftsmodell eine zukunft hat wird sich weisen müssen. es kommt jedoch der industrie insoweit entgegen, dass sie ideen zum nulltarif bekommen, also nichteinmal die lohnkosten bezahlen müssen wie für ihre "phantastenabteilung".

für mich ist das ding einfach sittenwidrig, mehr fällt mir dazu beim besten willen nicht ein.