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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrung eines gescheiterten erfinders



J.Jacobs
29.11.2004, 09:15
Also es war ca 1990 als die fahrrad branche gerade so dabei war das bergrad zu entdecken...das mountain bike war gerade in seiner geburts-stunden was die masse und verkaufszahlen und allgemeiner verbreitung anbelangt.
Ich war damals irgendwie mude von meinen beruf als offset-drucker und habe angefangen bei einen fahrrad hersteller mitzuwirken.Dadurch war ich am puls der zeit und habe so nebenbei denn spass im gelaende entdeckt.
Sehr bald merkte ich,heh so ein fahrrad mit stossdaempfung wurde denn fahrspass und die kontrolle/sicherheit erheblich steigern.Es erschien mir fast wie eine logische konsequenz zu sein..ich mein,welches moderne fahrzeug besitzt kein art von stossdaempfung. Zu diesem zeitpunkt gab es keine "full suspension bikes" in europa und in amerika waren vielleicht ein paar hersteller gerade dabei so etwas umzusetzten.
Mir war klar....das ist es was die leute brauchen also habe ich zuerst aus lego ein modell erstellt,dann eine rahmen-design modell im massstab 1:1aus plastik(wasser rohr vom baumarkt) dann ein weiteres anschauungs modell aus holz um die verschiedern rahmen teile und ihre genauen abmessungen und ovalisierungs querschnitte zu erfahren...
Dann wurden komponenten ausgewaehlt(zu dieser zeit gabs keine stossdaempfer teil fuer fahrraeder...bin auf eigene kosten nach mailand auf die dortige motorrad messe gefahren und habe dort entsprechende teile bekommen (gabel und hinterbau stossdaempfer)die noetig waren um aus meinen rahmen zu einen fahrrad zu komplettieren.Schon in dieser phase wurde ich auf einer wahnsinns euphorie welle getragen mit dem wissen es koennte funktionieren!
Ich arbeitete immer weniger,verbrachte tage,naechte und wochen mit test und zeichnungen und geschraube und getue,es war wie ein rausch trotz der tatsache dass ich ringsrum von fachleuten und fahrrad enthusieasten,geschaefts inhaber und sogar eigene freunde nur spott und manchmal recht unmotivierende meinungen ertragen musste,wohlgemerkt habe ich in dieser phase noch nicht gedanken mit geld dran verdienen verschwendet,....sowas kann hinderlich sein glaube ich.Nein,der antrieb meines vorhabens war erstmal,das neuerschaffen des fahrrads und die verwirklichung einer kleinen vision.
Nach 2 monaten grund-entwicklungs zeit war es soweit,es sollte ein fahrbarer prototyp entstehen.Aus angst vor ideen raub und in anbetracht der tatsache dass ich es mir eh nicht haette leisten koennen,es machen zu lassen,habe ich angefangen bei einen bekannten das aluminium schweissen zu lernen...tagelang bleche verbrutzelt...hmmm aber wo eine wille ist auch.....
In der zwischen zeit habe ich naturlich immer die presse und den markt nach neuigkeiten abgegrast und ausschau nach den sogenannten konkurenz gehalten...es war ruhig.
Weitere wochen vergingen und dann war es soweit.Mein eigens konstruiertes mountain bike mit stoss daempfung vorne und hinten mit gerade mal 13.5 kilo gewicht war fahrbereit,noch dazu mit allerhand verbessungs optionen was das gewicht und die steifigkeit des rahmens anbelangt...es funktionierte wirklich.In dieser zeit gab es keine hochwertigen aluminium rohre in den kleinen mengen die ich gebraucht haette also bestand mein rad aus relativ preiswertes bau oder industrie alu.Ich habe damit,es besser ausieht auch noch komplett auf hochglanz poliert und dadurch wirkte es sehr professionell.Ein halbes jahr lang wurde probegefahren und getestet und verbessert,es lief perfekt.Viele der spotter erkannten ploetzlich den sinn des ganzen und andere radfahrer waren erstaunt wenn ich sie im gelaende buchstaeblich stehen liess.
Auf der strasse war es der blickfang schlechthin,ich wurde sehr oft angesprochen und ich erntete lob und begeisterung von allen alters gruppen....viele passanten blieben stehen um dieses futuristische gefaehrt zu begutachten eine sehr sehr positive zeit.
Getrieben von begeisterung war es klar,der naechste schritt sollte die geschaeftliche ausnutzung meines idees sein,es folgte eine grausame zeit der ernuchterung.
Ich gab geld aus fuer ganz uble nichts nutzende gespreche bei irgende welche anwaelte teilweise sogar erbettelt um eine beratungs stunde von welche im bekannten kreis und bin staendig auf dem patent amt "rum gehangen" auf der suche nach infos wie ich weiter verfahren sollte.
Sollte ich ein muster schutz machen oder ein patent erwerben oder war es nur ein design merkmal oder vielleicht doch ein geschmacksmuster schutz...es gab gespraeche mit fahrad hersteller und mit zeitschriften aus dieser branche und keiner dieser menschen konnte im ansatz mein simples vorhaben verstehen oder mir irgendwie helfen.Es vergingen monate und ich verlor allmaehlich den verstand und hatte auch finanziell nicht die wahnsinns moeglichkeiten....
Nach weiteren recherchen und probierens,fahrrad-messe besuche und ca 1 jahr war mein latein am ende....ich verlor den antrieb.
In den darauf folgenden jahren musste ich mit ansehen wie der markt foermlich ueberschwemmt wurde mit mountain bikes und der bike boom seine volle dynamik entwickelte,fast jeder hersteller fing an,irgendwelche voll gefederten fahrbaren untersaetze zu entwickeln und auf den markt zu werfen,der "fully" trat sein siegeszug an und war nicht mehr weg zu denken.....und ich war nicht dabei.
Ich habe schon immer gerne getuftelt und,fuer mich sachen verbessert oder gar neu erstellt und das wird auch so bleiben aber so eine geschichte wie oben geschildert wurde ich glaube ich nie wieder durch machen wollen,es geht an die substanz.Heute stecke ich meine kreativitaet in der produktion von musik,da habe ich das sagen und kann noch ein bisschen mitbestimmen wenns um das eventuelle vermarkten eines fertigen stueckes geht,es ist noch ueberschaubar.
Ich fuer mein teil habe lernen mussen das das erfolgreiche erfinden und das vermarkten eine produkts zwei voellig verschiedene eigenschaften bzw faehigkeiten sind,die selten in einen geist platz finden glaube ich...vielleicht schizzophrenie J.Jacobs

Thomas Moos
29.11.2004, 16:15
Hallo J.Jacobs,


traurige Geschichte, aber leider völlig "normal". Ich habe zur damaligen Zeit(90er) auch viele Dinge erfunden, aber nur wenige
davon angemeldet, weil auch ich an den ganzen Abläufen etc.
schwer zu kauen hatte. Von mittlerweile ca. 300 Erfindungen,
habe ich nur ein Dutzend angemeldet, und der erlebte Spaß
war schon groß genug...

Fernsehauftritt bei SAT.1, Gespräche bei Conrad Electronic, Quelle-Versand und Bundeswehr, Finanzanzeigen in der FAZ, Auslands- berichte über einzelne Erfindungen auf der DeutschenWelle etc. Hilfegesuche bei der Fraunhofer-Patentstelle einigen Vereinen
und so weiter. Das Ergebnis war leider "bisher" immer nur traurig.
Ich habe auch schon überlegt ein Buch zum Thema zu verfassen, aber das würde wohl leider auch keiner kaufen wollen, vorerst bestimmt schon einmal der Verlag nicht :-)

Einige meiner Erfindungen kann man nun, nach dem Verfall der
Schutzrechte(durch Nichtzahlung der Jahresgebühr wegen
"scheinbarer" Sinnlosigkeit der Aufrechterhaltung) auf dem Markt
kaufen, diese Artikel werden mit Sicherheit im Bereich der Massen-
Artikel gut, bis sehr verkauft. Ich denke mal, dass mir im Einzelfall
ca. 1% Glück gefehlt hat, mehr nicht. Auf Grund dieser Erfahrungs- werte hatte ich erst einmal auch für viele Jahre die Nase voll von
diesem Thema. Aber getrieben durch meine "relative" Hartnäckigkeit, gepaart mit einem Schuss Idealismus, fange ich nun doch wieder damit an. So wie der Eine am Samstag Lotto spielt, werde ich weiterhin meine Hoffnung hier investieren. Also, auch dir wünsche
ich den Kopf hoch zu halten, denn man weiß vor dem Ende nicht
für was etwas gut war, oder auch nicht. Außerdem ist Musik machen
ja auch etwas schönes Kreatives, beispielsweise mit Cubase etc. Habe das rein zufällig vor 15 Jahren auch einmal auf dem Atari in meiner musikalisch geprägten Zeit ausgeübt :D

Beste Grüße und viel Glück wünscht,


Thomas Moos

Heinrich Dreier
30.08.2005, 19:18
Ich habe schon immer gerne getuftelt und,fuer mich sachen verbessert oder gar neu erstellt und das wird auch so bleiben aber so eine geschichte wie oben geschildert wurde ich glaube ich nie wieder durch machen wollen,es geht an die substanz.

Ich fuer mein teil habe lernen mussen das das erfolgreiche erfinden und das vermarkten eine produkts zwei voellig verschiedene eigenschaften bzw faehigkeiten sind,die selten in einen geist platz finden glaube ich...vielleicht schizzophrenie J.Jacobs


Hallo

Ich bin sicher nicht der große Erfinder, und als ich vor einigen Tagen mal nachdachte, fiel mir auf , das ich vor vielen Jahren (bin gelernter Tischler) eine Säge habe bauen lassen, die 2 Gährungen gleichzeitig schneiden konnte. So eine Säge gab es damals noch nicht auf dem Markt,( heute in jedem Baumarkt für kleines Geld) und ich hatte von Patenten und Gebrauchsmuster auch noch nie was gehört.Ich wollte nur so eine Säge auf dem Bau haben, weil dadurch Arbeitsabläufe sich verbessern ließen. Ein Bekannter hat mir die Säge dann gebaut, nach meinen Vorstellungen, und ich hatte was ich wollte.
Heute bin ich an Entwicklungen dran, was eigendlich nicht gehen , und doch bin ich davon überzeugt, und lasse mich nicht aufhalten.
Wenn man nicht das tut, was man sich vorstellt, wozu lebt man dann?
Grüße
Heinrich