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Thomas Moos
13.09.2007, 14:02
Innovatives Kochsystem sucht innovativen Hersteller
Drei junge Ingenieure und ein Industrie-Designer als preisgekrönte, kreative Tüftler

Die Serie "Existenzgründungen und neue Geschäftsideen" möchte sowohl den Weg völlig unterschiedlicher Menschen in die Selbständigkeit nachzeichnen, wie auch neue Ideen, Dienstleistungen oder Produkte in unserem Stadtteil vorstellen. In dieser Woche geht es um das alternative Kochsystem "CUC". Es wurde von drei jungen Ingenieuren und einem Industrie-Designer entwickelt. Im April 2007 erhielt das Quartett von der Artur-Fischer-Stiftung für das CUC Kochsystem einen Anerkennungspreis.

OSTHEIM - In der Haußmannstraße im Stuttgarter Osten wohnt einer der vier jungen Erfinder. Dort hat man sich zum Gespräch getroffen. Klaus Kaupp (31) studierte Maschinenbau an der Berufsakademie, heute arbeitet der Ingenieur im Fischer-Werk in Waldachtal. Es sind genau jene Fischer-Werke, die durch eine einzigartige Erfindung berühmt wurden: den Fischer-Dübel.
Neben Kaupp sitzt Ralf Becker (36), er ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Frauenhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung tätig und studierte Mechatronik an der FH in Esslingen. Kennen gelernt haben sich die beiden während des Aufbaustudiums "Integral Studies" an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. "Da ging es um Produktkonzeption und Produkt-Design. Das Studium ist geeignet für Naturwissenschaftler und Ingenieure", meint Klaus Kaupp.

Auch die anderen zwei Erfinder, der Maschinenbau-Ingenieur Thomas Trapp sowie der Industrie-Designer Alejandro Vaca-Torres, absolvierten das Aufbaustudium, das als zusätzliche berufliche Qualifikation gedacht war. "Man lernt anders zu denken. Bis jetzt existierende Dinge werden in Frage gestellt. Über Umwege und Spinnereien gelangt man schließlich zu neuen, andersartigen technischen Produkten", versucht Becker das Studium an der Kunstakademie zu beschreiben. Im Rahmen eines Semesterprojekts zum Thema "Instant objects" entstand seine Idee für den sicheren Transport von Unfall-Patienten mit möglicher Wirbelsäulenfraktur.

"Beim Abtransport von Unfallpatienten gibt es immer das Problem der Weiterverletzung", meint Becker. Der würde die Unfallopfer nicht auf eine Bahre legen, sondern teilweise einschäumen und um die erhärtete Masse ein Gestell anbringen. Wie so oft scheitern noch so gute Ideen an ihrer Umsetzung.

Bislang konnte Becker noch keinen Hersteller für die sichere Transportmethode erwärmen. Mit der Idee des CUC Kochsystems sind die vier Tüftler immerhin schon zum Erfinder des Dübels vorgedrungen. 100 Bewerber buhlten im April 2007 um den Erfinderpreis der Artur-Fischer-Stiftung. 13 davon kamen im Profibereich in die engere Wahl, darunter auch das alternative Kochsystem ohne Herdplatte, Kabelsalat und Dunstabzugshaube. Nach Feierabend trafen sich die vier jungen Männer regelmäßig und ersannen das neuartige Kochsystem. "Irgendwie sind wir zum Kochherd gekommen, ein paar Punkte haben uns an ihm nicht gefallen.

Das Kochfeld nimmt viel Fläche weg, die ungenutzt bleibt. Die Plattenanordnung ist unflexibel, man ist räumlich fixiert, kann nur im Stehen kochen. Meistens gibt es eine monstermäßige Abzugshaube, an der die Hälfte des Dampfes vorbei geht und die noch dazu recht laut ist", zählen Becker und Kaupp die Nachteile des konventionellen Herdes auf.

Geselliges "front-cooking" dagegen ist mit dem neuen geräuscharmen Kochsystem kein Problem mehr. Auf versenkbaren, ringförmigen Verbindungselementen werden beliebig geformte Töpfe oder Pfannen aufgesetzt, die mit einem eigenen Heizelement und einem integrierten Absaugkanal versehen sind.

Abgesehen von der energieeffizienteren Arbeitsweise - die Töpfe sind isoliert und brauchen weniger Strom als der übliche Herd - ist das Kochsystem auch sicherer für Kinder. Es gibt keine glühenden Herdplatten mehr oder herabrutschende Töpfe mit kochendem Inhalt.

Da die "Systemgerätschaften" auf dem Verbindungselement stecken, können sie nicht mehr verrutschen. Lästiger Dampf und starke Gerüche werden in direkter Nähe der Öffnung abgesaugt. Wo die Verbindungselemente eingesetzt werden, bleibt jedem Wohnungsbesitzer selbst überlassen.

Ob auf dem Holztisch in der Küche, im Esszimmer oder auf dem Schreibtisch. Nach dem Kochen jedenfalls verschwinden die Verbindungselemente wieder in der Versenkung und die Fläche kann anderweitig genutzt werden.

Ob diese dabei aus Holz, Stein oder Kunststoff ist, ist für das CUC Kochsystem unerheblich. Von oben zu sehen, bleibt lediglich ein schmaler Edelstahlring. "Das System wäre auch was für Mini-Wohnungen für Studenten, für Wohn-Cubes", meint Kaupp. Schon zwei Präsentationen hatten die Ingenieure mit dem CUC Kochsystem bei Gaggenau, der Edelmarke für Küchengeräte. Doch der Hersteller konnte sich bislang nicht dazu entscheiden, das Produkt weiter zu entwickeln.

"Es ist schwierig Ideen von außen an Firmen heranzutragen", meint Becker. "Vor allem an die zuständigen Produkt- oder Entwicklungsmanager ranzukommen, ist schwer", fügt Kaupp hinzu.

Und dann kommt ja auch noch die Sache mit dem Patent. "Die Patentanmeldung ist eine Wissenschaft für sich", meint der Ingenieur aus dem Stuttgarter Osten.

Zwar haben die jungen Tüftler mittlerweile einen positiven Prüfungsbericht für das CUC Kochsystem erhalten, doch "bis ein Patent erteilt ist, dauert es locker zwei Jahre", weiß Becker. Die Ingenieure glauben auch weiterhin an ihr Produkt.

"Es ist aus unserer Sicht sinnvoll, es durchzuführen. Wir suchen weiter einen Hersteller, der es selbst machen will oder finanziell die Entwicklung fördert", so Kaupp.

max
Quelle: Erschienen am 13.09.2007 beim stuttgarter-wochenblatt.de

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