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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen mit Beratern?



Hans Wiedemann
30.04.2006, 21:03
Es gibt ja die kostenlose Beratung für Ersterfinder, die die Patentanwälte anbieten und es gibt "selbsternannte" Berater, die manchmal nicht mehr als ein paar Binsenweisheiten zu erzählen haben (meine Erfahrung). Was sind eure Erfahrungen?

Habt ihr alles verstanden, was euch da erzählt wurde? Habt ihr euch ernstgenommen gefühlt? Konntet ihr mit den Infos etwas anfangen? Welche Beratung ist zu empfehlen, welche nicht?

Also ich war bei der Erstberatung bei einem Patentanwalt im Patentamt, bei einem freien Patentberater und bei einem erfahrenen Erfinder. Bei letzterem habe ich am meisten gelernt. Mich würde sehr interessieren, was eure Erfahrungen sind.

Gruß! hans

Thomas Moos
02.05.2006, 15:24
Hallo Hans,


auch ich habe parallel einmal versucht mich als Berater für Einzelerfinder am Markt zu etablieren,
was aber leider nicht von Erfolg gekrönt war. Ich hatte ein paar Aufträge durch eine der in vielen
Regionen etablierten WFG GmbHs bei denen ich beauftragt durch die Steinbeis Stiftung so genannte
Spezialberatungen durchführte. Aber leider ist unsere Region nicht gerade hochgradig innovativ,
somit kam es zu selten zu Beratungen, als das man davon Leben könnte.

Leider sind die meisten Erfinder auch nicht in der Lage, bzw. nicht bereit für eine solide Beratung zu
bezahlen. Die Aufwendungen, Ausarbeitungen und Recherchen die für eine aus meiner Sicht
professionelle Beratung notwendig wären, führen problemlos zu Kosten von 350€ bis 2000€. Aber
in der Regel möchte das kein Erfinder zahlen, da er entweder das Geld nicht hat, es bereits beim
Patenanwalt loswurde, oder ihm einfach in der Anfangssituation noch nicht im Geringsten bewusst
ist, was alles auf ihn zukommt. Leider kann kein „wirklicher“ Berater umsonst arbeiten oder auf reiner
Gewinnbeteiligung, da die notwendigen Arbeiten immer komplex und aufwendig sind, man aber mit
Sicherheit keinen autom. Erfolg damit verknüpfen kann. Man zahlt somit für die Beratung, unabhängig
vom Erfolg. Berater die umsonst arbeiten kann ich ehrlicherweise auch nicht verstehen, das geht
dann entweder nur kurze Zeit gut, oder aber es steht eine Institution dahinter die den Spaß über
irgendwelche Gemeinkosten finanzieren kann.

Bei der Erstberatung durch Patentanwälte geht es aus meiner Sicht beispielsweise definitiv nicht um
eine „Erfinderberatung“, sondern um eine Beratung zum Thema: „Die gewerblichen Schutzrechte“.
Diese Beratung ist durchaus sinnvoll und empfehlenswert, aber in der ersten Phase sollte ein Erfinder
eine andere Form der Beratung erhalten. Er sollte am Anfang gesamtheitlich darüber informiert werden,
wie die grundlegende Vorgehensweise ist, welche Dinge als Notwendigkeit zu berücksichtigen sind
und welche Aspekte auf dem Weg von der Idee über die Herstellung bis zur Realisierung bzw.
Selbstvermarktung beachtet werden sollten. Leider kenne ich aus meiner Sicht keine Beratungen
dies das kostenlos oder wirklich umfangreich und ehrlich betrieben anbieten.

Ich kenne somit eigentlich nur Beratungen durch: Patentanwälte, welche in der Regel auch als Standard
-Berater für IHKs und HWKs tätig sind, durch einige „wenige“ Innovationsberater von IHK und HWK
und dann gibt es natürlich noch ein paar Einrichtungen wie INSTI etc., von denen bzw. deren Klienten
ich bis zu heutigen Tage jedoch auch noch nichts wirklich Überzeugendes hören uns lesen durfte.
Die staatlichen Förderungen kommen aus meiner Sicht primär Forschungseinrichtungen und
teilweise Hochschuleinrichtungen zu Gute, aber mit Sicherheit keinem Einzelerfinder.

Daher komme ich zu dem Entschluss: Wo man nicht wirklich etwas verdienen kann, wird auch nichts
Vernünftiges angeboten, außer es wird staatlich gefördert. Gute Berater sind dünn gesät, sollten
jedoch stets für Ihre Tätigkeit Geld verlangen. Erfinder sollten sich mit der Realität und somit dem
Umfang Ihrer Erfindung bzw. deren Realisierung schnell vertraut machen. Das schnelle Geld wird
sich in der Regel durch eine Erfindung nicht machen lassen, schon gar nicht ohne Fleiß, Mühe, Geld
und Zeit zu investieren… und wenn doch, dann nur mit Glück, mit dem man dann aber auch im Lotto
gewinnen dürfte, was durchaus weniger Nerven kostet  Die besten Berater sind daher auch für
mich Erfinder: Man kann sowohl von den erfolgreichen, als auch den „nicht“ erfolgreichen Erfindern
lernen… von den einen wie man es machen sollte, von der anderen wie man es besser nicht machen
sollte.

Schöne Grüße aus dem Taunus


Thomas Moos

Hans Wiedemann
03.05.2006, 18:12
Hallo Thomas,
danke für die sehr ausführliche Antwort. :anbet: Deine Ausführungen decken sich 100prozentig mit dem, was ich bisher selbst so herausgefunden habe. Das Haupt-Problem ist für mich, dass die Erfinder ihre Erfahrungen nicht untereinander austauschen, sodass jeder wieder die gleichen Fehler macht, zu den falschen Beratern geht, zuviel Geld ausgibt.

Der Kluge lernt aus seinen Fehlern, der Weise lernt aus den Fehlern der Anderen.

Aber wenn keiner von seinen Erfahrungen berichtet, dann wird das schwierig. Also, wer kann noch etwas erzählen, damit wir alle wieder ein Stück schlauer werden? :denkt:

Rainer
03.05.2006, 21:27
Ich selber habe keine Erfahrungen mit so genannten Beratern, mein Wissen (wenn ich es mal so nennen darf) sowie mein Handeln ist vielleicht teilweise umstritten, ist aber das Resultat jahrelanger Erfahrungen und Eigenstudium der Materie. Ich selber halte sehr viel davon meine Erfahrungen und mein Wissen zu teilen, kostenlos und ohne jedweder Erwartungen von Eigennutzen oder Belohnungen, damit andere so wenig, am liebsten keine, Fehler als möglich begehen.

Auch halte ich persönlich nicht viel von solchen Beratern da sie viel Geld kosten die man in einem Gespräch mit einem Anwalt (kostenlos) lieber in das Schutzrecht stecken sollte. Ist die Idee dann gut braucht man meiner Meinung nach keinen Berater sondern die Idee wird quasi zum Selbstläufer, von dem eigenen Zutun natürlich abgesehen. Allerdings sollte man sich bei Gesprächen mit potenziellen Interessenten vorher erkundigen was geht und was nicht, was üblich ist und was eine Frechheit wäre. Aber dafür haben wir u.a. dieses schöne Forum hier und ich bin mir sicher das wir hier in einem oder zwei Jahren eine Community haben die sich sehen lassen kann und vor Informationen nur so strotzt ;)

Meine Erfahrungen haben mich sicherlich viel Geld gekostet und damit andere diese Kosten nicht erneut tragen müssen setze ich diese hier ein so gut es geht und sobald sich Fragestellung und Erfahrungen in etwa kreuzen, deshalb bin ich ja auch hier ;)

Dies alles setzt aber schon etwas Eigenstudium des Fragestellenden in dieser Thematik voraus, denn viele Fragen die hier z.B. gestellt werden, könnten durch die Suche im Forum ad Acta gelegt werden können da sie sich sehr ähneln. Und weil ich auch nicht der Typ bin der auf die Suchfunktion verweist antworte ich nicht oder antworte eben nochmal, je nachdem wie ich Zeit habe ;)

PS: Herr Moos, Sie sollten mal Ihr PM Postfach entschlacken da ich Ihnen sonst keine schicken kann da dieses voll ist :jump:

Hans Wiedemann
05.05.2006, 00:10
Hallo Rainer,

Auch halte ich persönlich nicht viel von solchen Beratern da sie viel Geld kosten die man in einem Gespräch mit einem Anwalt (kostenlos) lieber in das Schutzrecht stecken sollte.

Also mir hätten ein paar Tipps schon gut getan. Zum Beispiel bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass ich eine Erfindung brauche, die sich lokal produzieren und vermarkten lässt. Denn wenn sich die Erfindung nur an internationale Konzerne verkaufen lässt, dann ist fast zwingend ein internationales Patent erforderlich. Und das kostet. Eigentlich ganz trivial, aber man ist am Anfang so begeistert von seiner Idee, dass man an so einfache Dinge nicht denkt.

Rechtliche Beratung ist zwar wichtig, aber bei weitem nicht ausreichend. Man muss sich in der betreffenden Branche auskennen. Muss die Mitbewerber kennen und die Erwartungen und Anforderungen eines Interessenten. Das sind eigentlich fertigungstechnische und kaufmännische Dinge. Der Erfinder muss Ideengeber, Ingenieur, Kaufmann und Marketingexperte in einer Person sein. Da tut es schon gut, wenn man ein paar erfahrene Leute an der Hand hat, denen man Fragen stellen kann. Ich glaube, viele Erfinder sind so sehr auf absolute Geheimhaltung bedacht, dass sie mit überhaupt niemandem über ihre Idee reden (vielleicht noch nicht mal mit der eigenen Ehefrau). Da verrennt man sich dann leicht und setzt dann aufs falsche Pferd.


Meine Erfahrungen haben mich sicherlich viel Geld gekostet und damit andere diese Kosten nicht erneut tragen müssen setze ich diese hier ein so gut es geht und sobald sich Fragestellung und Erfahrungen in etwa kreuzen, deshalb bin ich ja auch hier


Finde ich gut, dass Sie sich nicht zurückziehen, sondern Ihre - vielleicht auch schmerzlichen - Erfahrungen weitergeben.

PS: Wie steht es eigentlich mit Ihrer Gepäcklogistik? Unser Erfinder-Wiki wächst und gedeiht und wird wohl so in ein bis zwei Wochen online gehen.

Rainer
05.05.2006, 09:20
Hallo Hans,

wie gesagt, natürlich sollte sich der Erfinder in dem Themenbereich schon auskennen und dies tut er ja meistens da er sonst zum einen die Tragweite seiner Erfindung nicht richtig einschätzen und zum anderen garnicht so richtig danach recherchieren kann. Selbstverständlich gibt es dann noch den Erfinder dem beim Kaffeekochen eben die Idee kommt nicht mehr Kaffeebohnen zu nehmen sondern den Kaffee aus einem Ersatz aus Sojabohnen und Geschmacksverstärker herzustellen der weder den Markt für Kaffee noch die Eigenschaften von Sojabohnen kennt, geschweige von der Realisierung einer Patentanmeldung.

Diese Art von Erfindern bleiben nur zwei Varianten, die eine ist die, Ihre Idee mit viel Geld anzumelden und Berater sowie Fachleute damit zu beauftragen daraus was brauchbares zu machen. Die andere wäre zunächst einmal sich eine lange Zeit mit der gesamten Thematik step by step zu befassen was sicherlich ein jahrelanges hartes Studium voraussetzt. Das eine haben viele Erfinder nicht und das andere wollen/können viele nicht und dann kommt eben was halbherziges heraus was am Markt floppt was aber auf der anderen Seite unmissbarer Erfahrungen bringt die man in eine andere Idee investieren kann. Aus meiner Sicht sind das dann Dinge die der Markt entweder nicht unbedingt braucht oder wo der Markt über einen anderen Kanal bereits gesätigt wird oder einfach nur schon zu „fett“ ist.

Zu guter Letzt gibt es aber auch noch den „gibmireinauftragundichüberaschdicherfinder“ worunter sicherlich auch ich zähle. Solche Erfinder können sich in eine Lage versetzen sodass sie, sobald sie das Problem sehen und einige Eckpunkte bekommen, daraus etwas brauchbares entwickeln können. Solche Leute werden auch von großen Konzernen beschäftigt um Patente zu zerpflücken – Stichpunkt – Brainstorming.

Rechtliche Beratung ist meiner Meinung nach nicht nur wichtig. Beratung in diesem Bereich sehe ich als fundamentalistischen Eckpfeiler beim erfinden an, ohne dies wird es definitiv nicht annähernd wasserdicht angemeldet sodass die Idee umgangen werden kann was das selbe ist als hätte man die Idee nie angemeldet. Der einzige Sinn solcher Anmeldungen besteht darin Konzernen oder anderen Leuten mit Geld an Idee heranzuführen auf denen Sie selber nie und nimmer herangegangen oder aufmerksam geworden wären – Stichpunkt – Ideenwettbewerbe.

Natürlich sollten Grundkenntnisse im kaufmännischen sowie im Marketing Bereich vorhanden sein oder zumindest sollte sich der Erfinder in die Gemüter seines Marktes versetzen können. Aus meiner Sicht sind diese Eigenschaften eher psychologischer Natur. Man lässt sich eine Strategie einfallen, umschreibt das alles, macht andere Neugierig und diese werden dann selber recherchieren und das Potenzial einer Idee sehen oder auch nicht. Einige beschäftigen dafür Fachleute andere haben für Ideen und den Markt ein Gespür sodass sie früher oder später zusammentreffen werden – Stichpunkt - „Ich bin doch nicht blöd“.


Finde ich gut, dass Sie sich nicht zurückziehen, sondern Ihre - vielleicht auch schmerzlichen - Erfahrungen weitergeben.

Aus welchem Grund sollte ich mich zurückziehen? Welche schmerzlichen Erfahrungen meinen Sie?

Zu unserem RFID Konzept im Gepäcklogistischen Bereich kann ich soviel sagen das es patentiert wird und wir derzeit mit einer Firma Kontakt haben die an unser Konzept interessiert ist. Ärgerlich ist zwar das dieses Konzept nun in andere Staaten kostenlos eingesetzt werden kann da weitere Auslandsanmeldungen aus finanziellen Gründen nicht vorgenommen werden konnten sowie die Prioritätszeit im März abgelaufen ist, den größten Markt, zentral in Europa, nämlich Deutschland, haben wir aber für uns sichern können. Und glauben Sie mir, dieses oder ein extrem ähnliche Konzepte werden demnächst im Ausland eingesetzt werden.

Strategisch gesehen haben andere Firmen die auf solche Systeme gesetzt und angemeldet haben sich hier sicherlich einen Bärendienst erwiesen. Sie haben vielleicht Ideen angemeldet die auch Fehlleitungen beseitigen können, diese aber nun zu verwerten oder dem breiten Markt als Lösung anzubieten und dafür Lizenzgebühren entrichtet zu bekommen dürfte nun schwer werden da es nun für ausländische Airlines, Bodenverkehrsdiensten, Flughafenbetreiber ect.pp eine kostenlose Lösung aus Deutschland geben wird und wieso sollte man für das eine zahlen wenn man das andere kostenlos bei sich Zuhause einsetzen darf? Stichworte - „Du bist Deutschland“, „Du bist Pisa“, Du bist die WM“, „Zu Gast bei Freunden“, „Unsere Angie ist die Größte“, „was heisst hier volkswirtschaftlicher Schaden?“ ect.pp

Deutschland gut!

Zum anderen habe ich ja auch eine Idee „Bekleidungsstücke mit elektromagnetischer Schirmung vor hochfrequenten Wellen“ als Idee zum Gebrauchsmusterschutz angemeldet wo ich gestern die GBM Urkunde erhalten habe. Diese Idee ist mein erstes komplettes Eigenwerk also angemeldet ohne anwaltliche Hilfe, zwar nur als GBM ohne Recherche aber diese Idee galt als Test meine Erfahrungen einmal als eigenständiges Werk umzusetzen. Dieses Werk entstand eben, wie ich oben bereits erwähnte (,„gibmireinauftragundichüberaschdicherfinder“) aus dem Grund weil eben viele Bürger Angst haben um ihre Privatsphäre und oder Bürgerrechte, Problem -> Vorgaben -> Lösung oder kurz: Aktion -> Reaktion!

Wer Lust hat kann sich uns bei der Vermarktung sowie Finanzierung weitere GBM Schutzrechte im Ausland anschließen, vielleicht fällt dem einen oder anderen sogar noch etwas ein was man nachanmelden kann ;)

Ich kann aus fast allem etwas machen, so ist es auch nicht verwunderlich das ich zum einen noch eine weitere RFID Geschichte im Petto habe sowie zwei Ideen die für den Baubereich geeignet sind und dann noch drei Idee die im Multimediabereich angesiedelt sind. Und, was meinen Sie würde ich erst mit zwei Naturwissenschaftlern und zwei Astrophysikern alles auf die Beine stellen können? Wir würden die Welt bewegen können, meine Ansätze sowie Fragen und deren Wissen könnten Berge versetzen!

Leider fehlt mir derzeit das Geld alles aus eigener Kraft anmelden zu können aber wer weiss, vielleicht passieren ja noch Wunder in diesem unserem Staate ;)

Auf Ihr/Euer WiKi bin ich schon gespannt!

Edit

Um nochmal auf ihre Aussage zurück zu kommen:


Zum Beispiel bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass ich eine Erfindung brauche, die sich lokal produzieren und vermarkten lässt. Denn wenn sich die Erfindung nur an internationale Konzerne verkaufen lässt, dann ist fast zwingend ein internationales Patent erforderlich.

Auf diese Idee hätten Sie auch garnicht kommen können da dies schlicht falsch ist. Also derjenige der Ihnen diese Aussage als Tipp mit auf dem Weg gab hat mit Marktstrategie kaum was am Hut. Was glauben Sie wieviele ausländische Unternehmen ein festes Standbein gerade in Deutschland haben wollen? Ihnen fehlt teilweise nur ein Produkt, also vergessen Sie am besten schnellstens diese Vorurteil!

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